Welcher Geburtsort passt zu mir? 

Du bist Schwanger und nun stehst du vor der Entscheidung: Welcher Geburtsort passt zu mir und welche Möglichkeiten gibt es überhaupt? Keine Sorge, hier findest du ein paar Antworten!

Das Recht auf Wahlfreiheit 

In Deutschland hat jede Frau das Recht auf Wahlfreiheit, wenn es um den Geburtsort geht. Und in der Theorie gibt es viele Möglichkeiten: 

  • Die Geburt Zuhause mit einer Hausgeburtshebamme 
  • Die Geburt in einem Geburtshaus
  • Die Geburt in einer Klinik mit einer Begleit-Beleghebamme 
  • Die Geburt in einem hebammengeleiteten Kreißsaal 
  • Die Geburt in einer Klinik mit niedrigerem Versorgungslevel 
  • Die Geburt in einer (Uni-)Klinik mit hohem Versorgungslevel 

Tatsächlich ist es leider so, dass dir aber je nach Wohnort nicht alle dieser Möglichkeiten zur Verfügung stehen, daher ist es super wichtig, dass du dich frühzeitig über deine Möglichkeiten informierst. 

Außerklinische Geburt 

Außerklinische Geburten, also außerhalb einer Klinik, finden immer in der 1:1 Betreuung durch mindestens eine Hebamme statt. Die meisten Hebammen (-teams) übernehmen deine Begleitung ab Beginn der Schwangerschaft und möchten dich gerne regelmässig zu den Vorsorgen sehen. So kannst du ein gutes Vertrauensverhältnis zu deiner Hebamme aufbauen und schon in der Schwangerschaft mit deinem Team gemeinsam deine Wünsche und Vorstellungen für die Geburt austauschen. Zur Geburt rufen sich die meisten außenklinisch tätigen Hebammen eine zweite Hebammenkollegin dazu. 

Im außerklinsichen Setting liegt der Fokus vor allem darauf, dich in deinen individuellen Entscheidungen zu stärken. Daher wirst du hier selten “Hausregeln” oder bestimmte Vorgaben finden. Die Hebammen beraten dich selbstverständlich nach den Mutterschaftsrichtlinien und aktuellen Leitlinien, werden dich aber nie zu bestimmten Untersuchungen überreden. 

Welche schwangeren Personen außenklinisch gebären dürfen, ist vom GKV und den Hebammenverbänden klar geregelt.

Ein paar dieser sogenannten Ausschlusskriterien liste ich dir hier einmal auf: 

  • Zwilligsgeburten 
  • Beckenendlagengeburten 
  • Schwere Schwangerschaftserkrankungen oder Vorerkrankungen von Mama oder Baby 
  • Geburten außerhalb des Geburtszeitraumes (vor 37+0 oder nach 42+0) 
  • Plazenta Prävia 

Die Auflistung aller möglichen Ausschlusskriterien findest du auf der Website des GKV. 

Im Außerklinischen Setting sind die Hebammen außerdem nicht dazu berechtigt, verschreibungspflichtige Medikamente zu verabreichen. Somit gibt es im außerklinischen Setting zum Bespiel keine: 

  • PDA 
  • Medikamentöse Schmerzlinderung 
  • Begleitung pathologischer (also abweichender) Geburtsverläufe 
  • Keine Geburtseinleitung 
  • Keine Bauchgeburten, Saugglockengeburten oder Zangengeburten 

Jetzt stellst du dir vielleicht die Frage, wie du die Geburt ohne Schmerzmittel schaffen kannst. Und ohne an dieser Stelle zu ausschweifend zu werden, möchte ich diese häufige Frage kurz beantworten und auf meine anderen Blogbeiträge u.a. zum Thema Schmerzen und Angst bei der Geburt verweisen. Mit einer guten Geburtsvorbereitung und den richtigen Hilfsmittel ist es absolut möglich, eine Geburt ohne medikamentöse Schmerzerleichterung zu meistern. 

In meinem Online Geburtsvorbereitungskurs biete ich dir die richtigen Hilfestellungen, damit du ohne Sorgen, positiv und selbstbestimmt in deine Geburt gehen kannst!

Geburtsort: Zuhause oder Geburtshaus 

Der Unterschied liegt hier vor allem beim Ort. Fühlst du dich zuhause am wohlsten? Eine Hausgeburtshebamme begleitet dich von der Schwangerschaft über die Geburt bis ins Wochenbett. Viele Hausgeburtshebammen arbeiten alleine oder in sehr kleinen Teams, so dass du gar keinen oder nur wenig Wechsel erwarten musst. 

In einem Geburtshaus organisieren sich die Hebammen oft im Team, so dass du in der Schwangerschaft mehrere Hebammen kennenlernst, von denen dann je nach Dienstplan eine bei deiner Geburt dabei sein wird. Auch diese Betreuung ist sehr individuell. 

Was ist eine Begleit-Beleghebamme? 

Dieses Modell ist quasi eine Mischung aus außerklinischer 1:1 Hebammenbetreuung und einer klinischen Geburt. Leider gibt es in Deutschland nur sehr wenige Hebammen und Kliniken, die diese Möglichkeit anbieten. 

Bei der Begleit-Beleggeburt suchst du dir deine private Hebamme, die dich durch Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett begleitet. Sie begleitet dich aber nicht etwa bei der Hausgeburt oder in einem Geburtshaus, sondern hat mit einer Klinik in der Region einen spezielle Vertrag, der ihr ermöglicht, die Geburt dort zu begleiten und auf die medizinischen Möglichkeiten und die ärztliche Begleitung der Klinik zurückzugreifen. 

Da diese Möglichkeit rechtliche Besonderheiten im Haftungsfall mit sich bringt, bieten immer weniger Kliniken diese Möglichkeit an. 

Der hebammengeleitete Kreissaal 

Gefühlt überall sprießen gerade die hebammengeleiteten Kreissääle aus dem Boden. Oftmals handelt es sich dabei nur um einen extra Raum in einem regulären Kreisaal, der für hebammengeleitete Geburtshilfe reserviert wird. Hier hast du in erster Linie die Möglichkeit nur mit der Begleitung einer Hebamme und ohne das mitwirken von Ärzt*innen zu gebären. Zur Geburt wird dann nach Möglichkeiten eine zweite Hebamme dazu gerufen. Sollte aber ärztliche Unterstützung benötigt werden, ist ein “Wechsel” in den regulären Kreissaal jederzeit möglich, meist ohne, dass du dabei wirklich den Raum wechseln musst. 

Das Level der Geburtsklinik 

Je nach Versorgungsstufe der Klinik stehen dir verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Die niedrigste Versorgungsstufe ist Level 4, die höchste Level 1. Das Level der Klinik sagt nichts über die Qualität der Geburtshilfe aus. Bei der Einteilung geht es darum, welche Versorgung für Mutter und Kind in pathologischen Fällen gewährleistet ist. 

Geburtsort: Level 4 Klinik

So hat eine Level 4 Klinik zwar medikamentös mehr Möglichkeiten wie beispielsweise die außerklinische Geburt, es gibt aber trotzdem Einschränkungen. 

In einer Level 4 Klinik kannst du in der Regel frühestens ab 36+0 SSW gebären, selten sind dort spontane Zwillingsgeburten oder spontane Beckenendlagengeburten möglich. Auch viele Schwangerschaftsbedingte Erkrankungen oder Erkrankungen deines Babys können hier nicht begleitet werden, da eine Level 4 Geburtsklinik nicht garantiert eine Kinderklinik mit im Haus hat. Eine Level 4 Klinik hat rechtlich die Möglichkeit gebärende abzulehnen, wenn der Kreissaal überlastet ist, dann kann es sein, dass du einen weiteren Weg in die nächste Klinik auf dich nehmen musst. 

Geburtsort: Level 1 Klinik

Eine Level 1 Klinik dagegen, garantiert eine Kinderklinik mit direktem Zugang und Kinderärzt*innen, die rund um die Uhr vor Ort sind. Hier können auch sehr frühe Frühgeburten, oder Kinder und Schwangere mit schweren Erkrankungen begleitet werden. Durch die hohen Versorgungsstufe finden in Level 1 Kliniken vergleichsweise mehr Eingriffe und Interventionen statt. Eine Level 1 Klink darf niemanden abweisen, auch wenn der Kreissaal eigentlich voll ist. Das ist versorgunstechnisch sinnvoll, kann aber für die Begleitung während de Geburt viele Unanehmlichkeiten mitbringen. 

Egal welches Level die Klinik in deiner Nähe hat, die Hebammen vor Ort organisieren sich im Schichtsystem. So kannst du selten die Hebamme vorher kennenlernen, die dann deine Geburt begleitet und je nach Schichtplan wechselt die Hebamme alle 8 oder 12 Stunden. 

Auch in Kliniken in Deutschland ist das Ziel jeder gebärenden Person eine 1:1 Betreuung zu ermöglichen. In der Realität ist das je nach Kapazität, Auslastung und Personalschlüssel nicht immer möglich. Klinikhebammen begleiten im Schnitt 2 Gebärenden parallel. In den meisten Kliniken gibt es strengere Vorgaben und sogenannte Hausregeln. So ist es nicht selten, dass dir bei einer klinischen Geburt standardmässig ein venöser Zugang empfohlen wird. Natürlich musst du diese Empfehlungen nicht annehmen, wenn es sich für dich nicht richtig anfühlt. 

Download Hilfe für dich!

In diesem Download findest du eine praktische Übersicht, über die verschiedenen Geburtsorte und welche Maßnahmen, Betreuungsformen und Interventionen dort möglich sind.

Außerdem habe ich dir ein kleines Quiz zusammengestellt, das dir bei deiner Entscheidung eine Hilfe sein kann. Beantworte die 7 Fragen und erhalte ein Gefühl, welcher Geburtsort vielleicht zu dir passen könnte.

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Geburtsort Guide

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Alle Geburtsorte sind unterschiedlich und können niemals pauschal beschrieben werden. Deshalb ist es wichtig, dass du dir die verschiedenen Möglichkeiten in deiner Umgebung anschaust und dich möglichst früh mit deinen Ängsten und Sorgen im Bezug auf die Geburt und den passenden Geburtsort beschäftigst. 

Alles Gute für dich und deine Entscheidung,

deine Hebamme Delia