Vielen Schwangeren ist dieses Wort ein Begriff, denn Ihnen wird nicht selten eine regelmässige CTG-Kontrolle in der Schwangerschaft angeboten. Und vielleicht hast auch du in deinem Mutterpass schon vorgeplante Termine mit dem Zusatz CTG entdeckt.
Aber was bedeutet CTG überhaupt und wann macht eine CTG-Untersuchung wirklich Sinn?
In diesem Blog:
In diesem Blogartikel erfährst du genau:
- Was ist das CTG überhaupt?
- Wann wird ein CTG in der Schwangerschaft empfohlen?
- CTG bei Terminüberschreitung?
- Warum wird ein CTG häufiger als nötig angeboten?
- Gibt es Nachteile?
- Kann ich ein CTG ablehnen?
Was ist ein CTG?
Die Abkürzung CTG steht für Kardiotokographie und beschreibt das Aufzeichnen der kindlichen Herztöne und der mütterlichen Wehentätigkeit. Das CTG-Gerät, misst mittels Doppler-Sonografie (Ultraschall) die Herztöne deines Babys und gleichzeitig mit einem Drucksensor die Wehentätigkeit deines Uterus (Gebärmutter) auf. Die Werte werden in einer Art Kurve aufgezeichnet und ausgedruckt. Die meisten CTG Geräte können außerdem die Kindsbewegungen und deinen mütterlichen Puls aufzeichnen. Alle Kurven und Werte werden dann zusammenhängend interpretiert.
Damit eine aussagekräftige Kurve entsteht, wird ein CTG meist für einen Zeitraum von mindestens 20min geschrieben, um möglichst sowohl Wach- als auch Ruhephasen deines Babys beobachten zu können.
Um die beiden CTG-Knöpfe außen an deinem Bauch zu befestigen, gibt es Gurte und Bänder, die dir möglichst angenehm um den Bauch gebunden werden, und dann die Knöpfe auf deinem Bauch fixieren.
Die CTG Untersuchungen hat den Zweck, Stress bei deinem Kind (mit oder ohne Wehentätigkeit) frühzeitig zu erkennen.
Wann wird ein CTG in der Schwangerschaft empfohlen?
Die Empfehlungen zu allen wichtigen Untersuchungen in der Schwangerschaft findest du in den sogenannten Mutterschafts-Richtlinien. In diesen, vom gemeinsamen Bundesausschuss ausgesprochenen, Empfehlungen findest du in der Regel die Ergebnisse der neuesten Studien und Leitlinien.
Die Mutterschafts-Richtlinien empfehlen keine routinemässigen CTG Untersuchungen in der Schwangerschaft, da sich keine nachgewiesenen Vorteile für Mutter oder Kind dadurch ergeben. In den Mutterschafts-Richtlinien werden alle möglichen Indikationen (Gründe) für CTG Untersuchungen in der Schwangerschaft genannt. Hier liste ich dir nur ein paar wenige auf, damit du einen Eindruck bekommst:
Indikationen zur erstmaligen CTG
- in der 26. und 27. SSW drohende Frühgeburt
- ab der 28. SSW
- Auskultatorisch festgestellte Herztonalterationen (Wenn Herztonveränderungen beim kurzen Hören mit anderen Methoden auffallen)
- Verdacht auf vorzeitige Wehentätigkeit.
Indikationen zur CTG-Wiederholung
- CTG-Alterationen (Veränderungen)
- Anhaltende Tachykardie (sehr schnelle Herzschlag)
- Bradykardie (längerer Herztonabfall)
- Dezeleration(en) (kurze Herztonabfälle)
- Unklarer Kardiotokogramm-Befund bei Verdacht auf vorzeitige Wehentätigkeit
- Mehrlinge
- Verdacht auf Plazentainsuffizienz (nachlassende Versorgung) nach klinischem oder bio-chemischem
Befund - Verdacht auf Übertragung (Übertragung gilt ab 42+0 SSW)
- Medikamentöse Wehenhemmung
Die AWMF S3 Leitlinie zur fetalen (kindlichen) Überwachung in der Schwangerschaft gibt zusätzlich zu diesen Indikationen noch weitere mögliche Gründe an, aus denen ein CTG schon in der Schwangerschaft nach Absprache sinnvoll sein könnte:
- Adipositas
- Diabetes
- Geburtseinleitung
- Schwangerschaftsdiabetes
- Bluthochdruckerkrankungen in der Schwangerschaft
- intrauterine Wachstumsretardierung (Wachstumsverzögerung des Babys)
In der NICE-Guideline (England) wird das CTG als Überwachungsmethode für Low-Risk-Schwangere (ohne oben genannte Risikofaktoren) nicht mal mehr erwähnt.
Zusammenfassend kann also gesagt werden, dass in einer unauffälligen Schwangerschaft ohne Risikofaktoren kein CTG in der Schwangerschaft empfohlen wird. Sollten natürlich bei den Routine-Vorsorgeuntersuchungen bei deiner Hebamme oder in der Gyn-Praxis Auffälligkeiten auftreten, kann ein CTG hilfreich sein, um den Stresszustand deines Babys zu überwachen.
CTG bei Terminüberschreitung
Bei den oben genanten Indikationen steht auch der sogenannte Verdacht auf Übertragung. Dazu ein kleiner Exkurs:
Dein errechneter Geburtstermin (ET) ist nur ein Tag inmitten eines ganzen Geburtszeitraumes. Dein Baby wird voraussichtlich zwischen der 37+0 Schwangerschaftswoche (SSW) und der 42+0 SSW auf die Welt kommen. Der errechnete Termin markiert genau die 40+0 SSW aber nur ca 2-4% aller Babys kommen exakt an diesem Tag.
Ab dem ET wird also von einer Terminüberschreitung gesprochen und korrekterweise gilt erst eine Schwangerschaft ab 42+0 SSW als Übertragung. Die CTG Indikation „Verdacht auf Übertragung“ ist also sehr wage und gibt je nach Auslegung ab 40+0 eine mögliche Indikation zum CTG, die du jederzeit auch ablehnen darfst, siehe unten.
Warum wird ein CTG häufiger als empfohlen angeboten?
Vielleicht schaust du jetzt in deinen Mutterpass oder auf den Terminplaner, den du von deiner gynäkologischen Praxis zu beginn der Schwangerschaft bekommen hast und fragst dich, wieso dir ab der ca 28. SSW regelmässige CTG Termine eingetragen sind.
Wieso wird nach wie vor von vielen Praxen eine routinemässige CTG Kontrolle angeboten und geplant, obwohl keine Risikofaktoren bestehen?
Und wieso werden viele Schwangere nicht über die Empfehlungen der Mutterschaftsrichtlinien zu CTG Untersuchungen aufgeklärt?
Die häufigste Begründung, die die meisten Ärzt*innen hier liefern werden, ist die Sicherheit. Eine routinemässige CTG Untersuchung hat zwar keine nachgewiesenen Vorteile für Mutter und Kind, aber sicher ist sicher.
Die ehrliche Antwort auf die Frage, warum diese Untersuchungen routinemässig auch ohne Indikation angeboten werden ist das deutsche Gesundheitssystem. Dort bekommen nämlich Gynäkologen*innen und Hebammen nur wenig Geld für die Schwangerenvorsorge. Jede zusätzliche Untersuchung (Ultraschall, CTG, Blutuntersuchungen) können die Praxen zusätzlich abrechnen und verdienen sich einen kleine Bonus. Die traurige Wahrheit, die sich unter dem Deckmantel „Sicherheit“ verbirgt ist also ein Kostenfaktor.
Gibt es Nachteile?
Wie oben bereits erwähnt hat eine CTG Untersuchung in einer unauffälligen Schwangerschaft keine Vorteile für Mutter und Kind. Dazu wurden verschiedene Studien in einer Analyse genau untersucht.
In dieser Analyse wurde als einziger Nachteil aufgeführt, dass häufige CTG Überwachungen ein Risiko für Fehlinterpretation bieten und dadurch die Rate an operativen Geburtsmodi (also Sectio, auch Kaiserschnitt, Bauchgeburt) steigt. Wird ein CTG falsch interpretiert, kann es sein, dass du zur Überwachung und für weitere Untersuchungen in die Klink musst.
Es gibt aktuell keine Nachweise, dass ein CTG oder der verwendete Dopplerschall für dein Baby schädlich sein kann. Es gibt immer wieder kritische Stimmen, die vermuten, dass die Dopplersonografie (Also CTG, aber auch Ultraschall) für die Kinder laut und störend sein kann, das ist bislang nicht nachgewiesen.
Ein weiterer möglicher Nachteil könnte der mütterliche Stress bei der CTG Untersuchung sein. Es wird empfohlen für die Dauer des CTGs in Seitenlange oder einer halbsitzenden Position zu bleiben. Mütterliche oder kindliche Bewegung können die Aufzeichnung stören, was die Gesamtdauer ggf. verlängert. Viele Kinder treten gegen die Knöpfe und Gurte des CTGs, da sie den Druck von außen wahrnehmen. Das deutet nicht auf Stress des Kindes hin, kann aber für dich als Mama unangenehm sein. Falsche Interpretationen des CTGs können werdende Eltern verunsichern. Ein CTG was schlecht aufzeichnet, eine Untersuchung, die immer länger wird, Sorgen und ein tretendes Baby können den Stress erhöhen und dein Stress wird nachweislich an dein Baby übertragen.
Wenn du die CTG Untersuchung also nicht als unangenehm und stressig wahrnimmst, ergibt sich auch kein Nachteil für dein Baby.
Kann ich ein CTG ablehnen?
Ja, das kannst, darfst und sollst du bitte immer tun, wenn es sich für dich nicht richtig anfühlt. Die Mutterschaftsrichtlinien sprechen ganz klare Empfehlungen aus und halten sich dabei an aktuelle Studienergebnisse und Leitlinien. Eine Empfehlung ist also immer nur eine Empfehlung und niemals eine Verpflichtung und du hast grundsätzlich bei allen Untersuchungen in der Schwangerschaft immer die Möglichkeit, diese abzulehnen.
Da es für das routinemässige CTG in einer unauffälligen Schwangerschaft keine Empfehlung der Mutterschaftsrichtlinien gibt, haben die Gynpraxen, Ärzt*innen oder Hebammen, die dir trotzdem ein solches anbieten wollen, keine Grundlage. Du kannst in einer unauffälligen Schwangerschaft also guten Gewissens ein routinemässiges CTG ablehnen.
Du entscheidest am Ende über alles, was in der Schwangerschaft passiert. Es liegt in deiner Verantwortung die besten Entscheidungen für deine und die Gesundheit deines Babys zu treffen. Dabei kannst du dich immer auf den Rat deiner Ärzt*innen und Hebammen verlassen, aber du darfst auch immer alles kritisch hinterfragen, recherchieren und dir deine eigene Meinung bilden.
Ich wünsche dir alles Gute,
deine Hebamme Delia

