Diabetes und Zuckertest in der Schwangerschaft

Die Mutterschaftsrichtlinien empfehlen in jeder Schwangerschaft einen sogenannten Zuckertest, um auf Schwangerschaftsdiabetes zu testen.

In diesem Blogartikel erfährst du alles über die verschiedenen Testmöglichkeiten und bekommst praktische Tipps für deine Entscheidungsfindung.

Lies nach:

  • Was ist ein Schwangerschaftsdiabetes?
  • Der 50g Oraler Glukose Toleranztest (OGTT)
  • Der 75g OGTT
  • Das Blutzuckertagesprofil (BZTP)?
  • Kann ich die Tests auch ablehnen?
  • Was tun, wenn ein Diabetes festgestellt wurde?

Was ist ein Schwangerschaftsdiabetes?

In der Schwangerschaft verändert sich dein Hormonhaushalt und das hat in deinem ganzen Körper Auswirkungen. Unter anderem kann es passiere, dass du eine sogenannte Insulinresistenz entwickelst. Das bedeutet, dass dein Körper zwar weiterhin Insulin produziert, du aber nicht mehr darauf reagierst. Insulin braucht dein Körper, um den freien Blutzucker aus deinem Blut in die Zellen zur weiteren Verarbeitung zu lassen. Wenn du also nicht mehr auf das Insulin reagierst, herrscht in deinem Körper ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel und die Zellen bekommen zu wenig davon ab.

Folgen eines unerkannten oder unbehandelten Schwangerschaftsdiabetes können sein:
  • Ein erhöhtes Geburtsgewicht deines Babys (weil es durch den hohen Blutzuckergehalt in deinem Blut mehr Fettpolster anlegt)
  • Daraus können weitere Geburtsrisiken entstehen, wie zB eine erhöhte Rate an Geburtseinleitungen und operativen Eingriffen wie einer Bauchgeburt (Kaiserschnitt)
  • Ein erhöhtes Risiko für dich und dein Baby im späteren Leben an Diabetes Typ 2 oder Adipositas zu erkranken.
  • Möglicher (gefährlicher) Unterzucker bei deinem Baby nach der Geburt, durch plötzliches wegfallen deines erhöhten Blutzuckers.

Um einen Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes Mellitus, kurz GDM) frühzeitig festzustellen, empfehlen die Mutterschaftsrichtlinien jeder schwangeren Person zwischen der 24+0 Schwangerschaftswoche (SSW) und der 27+0 SSW einen Zuckertest. Dafür hast du verschiedenen Möglichkeiten:

Der 50g Oraler Glukose Toleranztest (OGTT)

Die Mutterschaftsrichtlinien empfehlen als ersten Schritt den 50g OGTT (oralen Glukose Toleranztest). Dabei handelt es sich um eine Art Stresstest.
Bei einem Termin mit deiner Hebamme oder Gyn bekommst du eine 50g Zuckerlösung zu trinken. Eine Stunde nach dem trinken dieser Lösung wird dir Blut abgenommen, um deinen Blutzuckerspiegel zu ermitteln. Dein Blutzuckerspiegel sollte eine Stunde nach der 50g Lösung bei unter 135mg/dl liegen. Alle Werte ab 135 mg/dl werden als Hinweis auf einen Schwangerschaftsdiabetes gedeutet und es müssen weitere Untersuchungen stattfinden.

Der 50g OGTT ist wenig standardisiert, das heißt es gibt mehr Fehlerquellen als bei anderen Tests. Dadurch dass der Test zu jeder Tageszeit durchgeführt werden kann, müsste eigentlich berücksichtig werden, was du an diesem Tag bisher gegessen hast und wie viel du dich bewegt hast.
Der 50g OGTT hat dadurch eine hohe Sensibilität, das heißt er reagiert schnell und dadurch häufiger falsch positiv als falsch negativ. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Test auffällig ausfällt ist also etwas höher als bei anderen Testmöglichkeiten. Manche Fachkreise empfehlen den 50g OGTT daher nicht mehr als Standardverfahren sondern verweisen auf den 75g OGTT oder das Blutzuckertagesprofil (BZTP)

Sollte dein 50g OGTT auffällig sein, wird dir sehr wahrscheinlich zu einem 75g OGTT geraten.

Was spricht gegen einen 50g OGTT?
  • Manche Fachgesellschaften empfehlen den 50g Test nicht, da er zu ungenau ist.
  • Wenn Risikofaktoren für einen Schwangerschaftsdiabetes bei dir festgestellt werden, solltest du eine andere, aussagekräftigere Testvariante wählen.

Der 75g OGTT

Die zweite Empfehlung der Mutterschaftsrichtlinien und die Empfehlung vieler Fachgesellschaften ist der 75g OGTT. Dieser Test läuft viel strenger (standardisierter) ab und kann dadurch genauere Ergebnisse erzielen.

Beim 75g OGTT kommst du morgens (zwischen 8 und 9 Uhr) in deine Hebammen- oder Gynpraxis. Dort wird dir einmal nüchtern Blut abgenommen. Nüchtern bedeutet in diesem Fall, dass du am Vorabend spätestens ab 22 Uhr nichts mehr gegessen hast und ab ca 00 Uhr nichts mehr getrunken hast.
Dann bekommst du die 75g Zuckerlösung zu trinken und dir wird jeweils nach einer Stunde und nach zwei Stunden Blut abgenommen, um deinen Blutzuckerspiegel zu kontrollieren. In diesen zwei Stunden solltest du nichts essen, nichts trinken und dich möglichst nicht bewegen, da dein Stoffwechsel möglichst ruhen soll.

Die Grenzwerte bei einem 75g OGTT sind:

Nüchtern: Unter 92 mg/dl
Nach einer Stunde: Unter 180 mg/dl
Nach 2 Stunden: Unter 153 mg/dl

Sollte ein Wert erreicht oder überschritten werden, wird direkt die Diagnose Schwangerschaftsdiabetes gestellt. Du wirst dann sehr wahrscheinlich an eine diabetologische Praxis weitergeschickt. Dort wird mit dir eine Ernährungsberatung durchgeführt und du bekommst alle Informationen zur Durchführung eines Blutzuckertagesprofils. Denn jetzt ist es wichtig zu ermitteln, wie sich dein Blutzuckerspiegel im Alltag verhält und wo es möglicherweise zu ungewollten Blutzuckerspitzen kommt.

Was spricht gegen einen 75g OGTT?
  • Solltest du unter starker Übelkeit und Kreislaufproblemen in der Schwangerschaft leiden, kann der 75g Test eine große Belastung für dich sein.
  • Bei starker Angst vor Nadeln und Blutentnahmen, ist ein kleiner Pieks in den Finger beim BZTP evtl. schonender für dich.

Das Blutzuckertagesprofil (BZTP)

Sollte also durch die OGTTs festgestellt werden, dass du einen Schwangerschaftsdiabetes hast, wird dir ein BZTP empfohlen. Du kannst aber auch statt der beiden OGTT Möglichkeiten wählen, direkt ein BZTP durchzuführen. Diese Möglichkeit wird bislang nicht von den Mutterschafstrichtlinien empfohlen, da du selber für das messen zu den richtigen Zeiten verantwortlich bist und die Sorge vor Fehlern oder Ungenauigkeiten laut Fachgesellschaften zu hoch ist. Als Hebamme kann ich an dieser Stelle nur sagen: Es geht um deine Gesundheit und die deines Babys. Wenn Du Werte fälscht, dann ist das deine Verantwortung. Ich habe keine Zweifel daran, dass du in der Lage bist, das BZTP korrekt durchzuführen.

Für das BZTP musst du dir ein Blutzuckermessgerät und Einweg-Lanzetten besorgen. Beides erhältst du kostengünstig bei einer Apotheke oder du fragst in deinem Bekanntenkreis, ob jemand so ein Equipment besitzt und dir leiht.

Dann musst du für ca. 3 Tage (oder bei bereits diagnostiziertem GDM auch länger) deinen Blutzucker und deine Ernährung streng dokumentieren. Das heißt du schreibst alles auf, was du über den Tag isst, am besten mit Uhrzeit und ungefähren Mengenangaben. Und dann misst du täglich folgende Werte:

  • Nüchtern morgens, direkt im Bett nach dem Aufwachen
  • eine Stunde nach dem ersten Bissen Frühstück
  • direkt vor dem Mittagessen
  • eine Stunde nach dem ersten Bissen Mittagessen
  • direkt vor dem Abendessen
  • eine Stunden nach dem ersten Bissen Abendessen
  • und vor dem Schlafengehen im Bett

So kannst du genau sehen, welche Lebensmittel deinen Blutzuckerspiegel beeinflussen und ggf. schon durch kleine Anpassungen etwas Stabilität in deine Werte schaffen.

Was spricht gegen ein BZTP?
  • Stress, schlechter Schlaf und eine unregelmässige Ernährung können die Blutzuckerwerte negativ beeinflussen. Solltest du diese Kriterien bei dir feststellen, ist ein standardisierter Test (75g OGTT) evtl. sinnvoller.
  • Du musst dich selber einige Male in den Finger pieksen und einen Tropfen Blut mit dem Messgerät auffangen. Sollte das für dich ein Problem sein, ist das BZTP eher ungeeignet.

Kann ich die Tests auch ablehnen?

Ja, selbstverständlich kannst du jede Empfehlung der Mutterschaftsrichtlinien auch ablehnen. Wichtig ist dabei, dass du dich ausführlich informiert hast. Die Empfehlungen der Mutterschaftsrichtlinien basieren immer auf den aktuellen Empfehlungen der jeweiligen Fachgesellschaften. Es gibt aktuelle Leitlinien zu Diabetes in der Schwangerschaft, die als Grundlage dienen. Diese Empfehlungen haben also immer einen wissenschaftlichen Hintergrund und sind grundsätzlich sinnvoll.

Sollten gewisse Risikofaktoren bei dir gegeben sein, rate ich dir, eine der Testvarianten durchzuführen. Denn es kann selten auch dazu kommen, dass ein Schwangerschaftsdiabetes erst mal auch ohne offensichtliche Hinweise und massive Auffälligkeiten existiert und sich diese erst im späteren Verlauf ergeben.

Mögliche Risikofaktoren für einen Schwangerschaftsdiabetes sind:

  • Mütterliches Alter über 35 Jahre
  • Adipositas
  • GDM in der Vorgeschichte
  • Familiäre Vorbelastung
  • Rauchen

Was tun, wenn ein Gestationsdiabetes (GDM) festgestellt wurde?

Erst mal: Keine Panik! Ein Schwangerschaftsdiabetes ist kein Weltuntergang. Die Risiken eines GDM können mit einer Stabilisierung der Blutzuckerwerte minimiert und sogar komplett ausgeschlossen werden.

Wichtig ist, dass der GDM schnell erkannt und dann angemessen behandelt wird. In den meisten Fällen reicht hierfür schon eine Anpassung der Ernährung. Wenn deine Zuckerwerte mit einer passenden Ernährung stabil bleiben, sprechen wir von einem sogenannten diätetisch eingestellten GDM. Nur selten kann es dazu kommen, dass eine Ernährungsumstellung nicht reicht, dann kann es sein, dass dein/e Ärzt*in dir eine Insulintherapie empfiehlt. In diesem Fall sprechen wir von einem Insulinpflichtigen (Insulindependeten) Schwangerschaftsdiabetes (IDGDM). Solltest du dir selber regelmäßig Insulin spritzen, bringt das einige Besonderheiten für die Geburt mit sich, weshalb ein IDGDM zB. ein Ausschlusskriterium für die außenklinische Geburt ist.

Hier kommen meine Top Ernährungstipps bei Schwangerschaftsdiabetes:
  • Iss lieber 5 kleinere, statt 3 große Mahlzeiten. Das hält den Blutzuckerspiegel stabiler.
  • Starte den Tag mit einem herzhaften Frühstück, das stabilisiert den Blutzucker besser.
  • Achte auf die Reihenfolge deiner Mahlzeit: Erst Ballaststoffe (Gemüse), dann Eiweiß und Fette (Tofu, Hülsenfrüchte, Fisch, Fleisch), dann Zucker/ Kohlenhydrate (Brot, Nudeln, Reis, Kartoffeln, etc).
  • Ersetze alles durch Vollkorn: Bessere Nährwerte, weniger Blutzuckerspitzen.
  • Iss vor jeder Mahlzeit einen kleinen Salat mit Essigdressing, das stabilisiert den Blutzuckerspiegel.
  • Bewege dich nach jeder Mahlzeit: Räume die Küche auf, mach 20 Kniebeugen oder geh eine kleine Runde spazieren. Aktiver Stoffwechsel = bessere Blutzuckerwerte
  • Wenn du Lust auf etwas Süßes hast, dann zum Nachtisch! Nach einer ausgewogenen Mahlzeit kann dein Körper ein Stück Schoki besser verarbeiten als einfach so zwischendurch!
  • Wenn du einen Zwischensnack brauchst, wähle etwas Blutzuckerstabilisierendes: Rohes Gemüse, gebackene Kichererbsen, geröstete Nüsse, etc.
Schlusswort

Nun hast du alle Informationen, die du brauchst um für dich eine fundierte Entscheidung zu treffen. Besprich deine Testmöglichkeiten unbedingt persönlich mit deiner Hebamme oder deiner/m Gyn. um alle individuellen Faktoren zu berücksichtigen.

Ich wünsche dir alles Gute für dich und deine Schwangerschaft,
deine Hebamme Delia