„Denk positiv, dann wird die Geburt schon gut“ – diesen Satz hast du wahrscheinlich schon gehört, und wahrscheinlich hat er dich eher genervt als beruhigt.
In diesem Blogartikel erfährst du, was wirklich hinter Affirmationen als Geburtsvorbereitung steckt, welche wissenschaftliche Grundlage es dafür gibt und wie du sie sinnvoll für dich nutzen kannst.
Lies nach:
- Was sind Affirmationen und wie wirken sie?
- Der Angst-Spannungs-Schmerz-Kreislauf
- Was die Forschung zu Selbstwirksamkeit sagt
- Was Affirmationen NICHT sind
- Wie du Affirmationen sinnvoll einsetzt
Was sind Affirmationen und wie wirken sie?
Affirmationen sind kurze, positiv formulierte Sätze, die du dir bewusst und wiederholt vorsprichst oder anhörst, um deine Gedanken und dein Nervensystem in eine bestimmte Richtung zu lenken. Kein Esoterik-Trend, sondern ein psychologisches Werkzeug mit einem nachvollziehbaren Wirkmechanismus.
Wichtig ist mir dabei: Es geht nicht um ein Versprechen auf eine schmerzfreie oder „perfekte“ Geburt. Es geht um etwas, das tatsächlich beeinflussbar ist – wie sicher und selbstbestimmt du dich selbst in der Geburt erlebst.
Der Angst-Spannungs-Schmerz-Kreislauf
Schon lange ist bekannt, dass Angst und Anspannung während der Geburt den Körper in einen Stresszustand versetzen. Das sympathische Nervensystem fährt hoch, Stresshormone steigen, die Muskulatur verspannt sich – und genau das kann Wehen als schmerzhafter erleben lassen und den Geburtsverlauf erschweren.
Dieses Prinzip nennt sich Angst-Spannungs-Schmerz-Zyklus und gehört zu den Grundlagen jeder modernen Geburtsvorbereitung:
- Angst löst muskuläre Anspannung aus
- Anspannung verstärkt die Schmerzwahrnehmung
- Schmerz wiederum verstärkt die Angst
Alles, was diesen Kreislauf unterbricht – Atmung, Bewegung, ein sicheres Umfeld, aber eben auch die eigenen Gedanken – wirkt sich messbar auf dein Erleben aus. Die Techniken, wie du diesen Kreislauf während der Geburt unterbrechen kannst, zeige ich dir Schritt für Schritt in meinem Kurs „Geburtsvorbereitung to go„.
Was die Forschung zu Selbstwirksamkeit sagt
Hier kommt der Begriff ins Spiel, um den sich die Wissenschaft zur Geburtsvorbereitung seit Jahren dreht: Selbstwirksamkeit. Gemeint ist dein Vertrauen in die eigene Fähigkeit, die Geburt bewältigen zu können, unabhängig davon, wie sie konkret verläuft.
Studien zeigen immer wieder denselben Zusammenhang: Frauen mit hoher Selbstwirksamkeit erleben weniger Angst, empfinden Schmerzen als weniger belastend und bewerten ihre Geburt im Nachhinein positiver. Frauen mit niedriger Selbstwirksamkeit hingegen berichten häufiger von Kontrollverlust und Angst während der Geburt.
Und genau hier setzen Affirmationen an. Nach Banduras Selbstwirksamkeitstheorie wird dieses Vertrauen unter anderem durch wiederholte positive Selbstansprache gestärkt – neben Vorbildern, Erfahrung und emotionaler Regulation. Eine 2024 veröffentlichte Studie zu Atemübungen und Affirmationen während der Eröffnungsphase zeigte messbare Verbesserungen bei genau diesem Wert: der subjektiv erlebten Selbstwirksamkeit unter der Geburt.
Kurz gesagt: Affirmationen verändern nicht die Biologie und den Verlauf deiner Geburt. Aber sie verändern, mit welchem inneren Zustand du in sie hineingehst – und dieser Zustand ist selbst ein aktiver Faktor im Geschehen.
Was Affirmationen NICHT sind
Ganz bewusst, weil mir das wichtig ist:
- Affirmationen sind kein Ersatz für Aufklärung
- Affirmationen sind keine Garantie für eine „gute“ Geburt
- Affirmationen sind kein Grund, dir im Nachhinein Vorwürfe zu machen, falls die Geburt anders verläuft als erhofft
„Denk positiv, dann wird die Geburt schon gut“ ist spirituelles Bypassing. Der Versuch die gebärende Person für den Verlauf der Geburt verantwortlich zu machen. Das ist falsch und gefährlich! Affirmationen sind nur ein Baustein von vielen. Sie ersetzen keine fundierte Geburtsvorbereitung, keine gute Betreuung und keine informierte Entscheidung. Und sie können keine Komplikationen verhindern!
Wie du Affirmationen sinnvoll einsetzt
Wirksam werden Affirmationen nicht durch bloßes Lesen, sondern durch Wiederholung – am besten schon in der Schwangerschaft, nicht erst bei der Geburt.
Meine Tipps für die Praxis:
- Beginn früh in der Schwangerschaft, nicht erst kurz vor der Geburt
- Wähle Sätze, die wirklich zu dir passen
- Sprich oder Höre sie regelmäßig: Wiederholung schafft Vertrautheit
- Nutze feste Momente dafür, z. B. beim Einschlafen oder in der Wehenpause
- Kombiniere sie mit Atmung, dann wirken sie auf Körper und Geist gleichzeitig
Je vertrauter dir ein Satz ist, desto eher kannst du in einem intensiven Moment wirklich darauf zurückgreifen.
Schlusswort
Affirmationen sind kein Zaubertrick, aber ein Werkzeug mit echter, nachvollziehbarer Wirkung auf dein Erleben von Schwangerschaft und Geburt. Wie bei jedem Werkzeug in der Geburtsvorbereitung gilt: Informiere dich, probiere aus, was zu dir passt, und triff deine eigene, selbstbestimmte Entscheidung.
Ich wünsche dir alles Gute für deine Schwangerschaft und deine Geburtsvorbereitung,
deine Hebamme Delia
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